Wir verhungern vor vollem Topf!
VON HELMUT HETZEL, 18.04.08, 20:10h
Den Haag - Niederländer werden immer dicker, sind aber dennoch
chronisch unterernährt. Das ist die erschreckende Botschaft von
Ernährungswissenschaftlern. Dies dürfte aber nicht nur für
Niederländer zutreffen, sondern für jeden, der Gemüse aus Holland
isst: Die Unterernährung hängt mit den mangelhaften Produkten aus
niederländischen Gewächshäusern zusammen.
Die Qualität von Eisbergsalat, Blumenkohl, Champignons, Gurken,
Spinat, Chicorée sowie anderen Gemüseprodukten, die auf
holländischem Boden wachsen, lässt zu wünschen übrig. Denn der
holländische Boden ist auf Grund seiner intensiven Nutzung total
ausgelaugt und versorgt das Gemüse nicht mehr mit ausreichend
Mineralien, aus denen dann im Gemüse während des Wachstumsprozesses
Vitamine entstehen können. Die Folge: Der Gehalt von Vitamin C
beispielsweise in Gurken aus niederländischen Gewächshäusern ist in
den vergangenen sieben Jahren um 99 Prozent zurückgegangen. Das
fanden Wissenschaftler der renommierten Agrar-Universität
Wageningen heraus. Auch der Vitamingehalt von beispielsweise
holländischem Broccoli oder Blumenkohl ging demnach seit 2001 um 84
Prozent bzw. 64 Prozent zurück. Chicorée aus Holland enthält
überhaupt kein Vitamin C mehr.
Erinnerungen an Holland-Tomate
Diese Enthüllungen wecken Erinnerungen an die Holland-Tomate. Sie
wurde vor einigen Jahren von den Verbrauchern als Wasserbombe
verspottet, weil sie durch Überzüchtung und Massenproduktion in
holländischen Treibhäusern ihren ursprünglichen Geschmack fast
völlig verloren hatte. Die Verbraucherkritik an der holländischen
Tomate hatte Folgen. Es wurden neue Sorten gezüchtet wie etwa Tasty
Tom oder die kleine Kirschen-Tomate, die wieder mehr Aroma haben.
Doch aus der Wasserbomben-Affäre scheint die niederländische
Agrarindustrie ansonsten nicht viel gelernt zu haben. Der Anbau
anderer Gemüsesorten wurde nicht verbessert, der Boden weiter
überstrapaziert.
Große Teile unseres Bodens sind einfach tot, stellt die
Verbraucherschutzorganisation Consumentenbond fest. Der
Agrarwissenschaftler Paul Blokker von der Vereinigung Bauer und
Umwelt sagt sogar: Wenn wir nicht bald eingreifen, dann ist die
Gesundheit unserer gesamten Bevölkerung in Gefahr.
So wie den Holländern ergeht es auch der Deutschen Bevölkerung.
So bestätigen Untersuchungen des Vitamin- und Mineralgehaltes an
Obst und Gemüse in den Jahren 1985, 1996 und 2002, einen
dramatischen Rückgang von bis zu 90% an den lebensnotwendigen
Mikronährstoffen. Ref:
Ciba-Geigy; Lebensmittellabor Sanatorim Obertal/ Karlsruhe.
Anhand dieser dramatischen Fakten wird verständlich, warum wir
immer mehr in gesundheitliche Defizite geraten. Am Ende einer
solchen Abwärtsspirale stehen Krankheiten.